Ein Buch für lange Winterabende

An den langen dunklen Winterabenden ist endlich Zeit, mal wieder ein Buch zu lesen. Vier Bücher, die Sie in der Jacobsorfer Bücherstube finden, möchte ich Ihnen heute vorstellen.

Bereits 1957 erschien der erste Band von Erwin Stritmatters Wundertäter, 1973 folgte der zweite. Erzählt wird vom Leben des Stanislaus Büdner aus Waldwiesen.
Just am Tage seiner Konfirmation zeigt sich, dass der Junge den bösen Blick hat: er scheintötet die Hühner seines Vaters, und die ganze Konfirmationsgesellschaft ist genauso starr wie die acht Pseudo-Hühnerleichen auf der Stalltreppe. Vater Gustav ist entsetzt, aber da ein derart Begabter sich in seinem Hause findet, muss er seine Wundertätigkeit ausüben...
Der stark autobiografisch gefärbte Roman zeichnet den dornenreichen Weg des Bäckergesellen, den es immer wieder zur "Dichterei" drängt, zum kritischen Schriftsteller nach. Im Laufe seines Lebens steigt der Held Stanislaus in manche "Schicksalskutsche" ein und muss mit ihren Konsequenzen leben lernen.
"Der Wundertäter" ist die vielleicht listigste und hintergründigste Auseinandersetzung des Autors mit menschlichen Schwächen, Intoleranz und Dogmengläubigkeit.

Aus einer Bäckermeisterfamilie stammt auch Heinz Quermann. Sein Talent zur Komik fiel früh auf, was seinen Theaterchef jedoch nicht daran hinderte, ihn in einer Faust- Inszenierung einzusetzen. Als Show-Master steigerte er später die Einschaltquoten von Fernsehen und Rundfunk in der DDR.
Sein Buch Ihr Heinz, der Quermann. Meine bunten Erinnerungen war Anfang der 90er Jahre die erste Biografie eines DDR-Stars, in dem Klatsch und Tratsch nicht fehlten. Quermann über sich selbst: "Ich habe mich des öfteren quer gelegt, lag gelegentlich auch schief, aber ich wusste trotzdem immer wo es lang ging."

1952 starb in Argentinien Evita Perón, die Frau des Diktators Juan Domingo Perón. Die angeblich mit ihren Habseligkeiten in einem Pappkarton in die argentinische Hauptstadt gekommene Eva Maria Duarte sollte zu einer der berühmtesten Frauen dieses Jahrhunderts werden.
Als sie nach einem kurzen Leben von nur 33 Jahren ihrem Krebsleiden erlag, war sie zu einem Idol der Massen geworden und hatte mit ihrem Charisma das diktatorische System ihres Mannes gesichert. Jahre voller Macht, Leidenschaft und Ruhm hatten die zierliche Frau in kometenhaftem Aufstieg zur ungekrönten Königin ihres Landes werden lassen.
Tomas Eloy Martinez stellt die makabre Odyssee des einbalsamierten Santa Evita in den Mittelpunkt seines Romans und ordnet die biographischen Details um dieses Ereignis an. Der Autor beschreibt fesselnd das fast kriminelle Tauziehen um die Mumie zwischen den Gruppen, die das Bild der charismatischen Frau in alle Ewigkeit bewahren, und denen, die es für immer auslöschen wollten.

Die Lebenserinnerungen der ostpreußischen Bäuerin Lena Grigoleit erzählt Ulla Lachauer in Paradiesstraße. Das Buch erzählt von einer Welt, die es nicht mehr gibt und lässt die Zeit seit Anfang des 20. Jahrhunderts an der Memel lebendig werden, erzählt von Tilsit und seinen Märkten, von der Roggenernte auf den Feldern, von ausgelassenen Festen und von Tagen der Trauer, erzählt vom Krieg und vom großen Exodus aus der Stadt, die heute Sowjetsk heißt.
Als ihre Nachbarn in den Westen gingen, blieb Lena Grigoleit zurück. Ihre Heimat hieß Bittehnen, Paradiesstraße. "Ich habe euch die Heimat bewahrt", sagt sie, wenn sie ehemalige Bittehner herumführt, die ihre Elternhäuser suchen und nur noch die verwilderten Gräber ihrer Angehörigen finden.

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Heinz Quermann
Santa Evita, Eva Peron
Lachauer, Paradiesstraße, Ostpreußen